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Foto: M. Pasomka

Bungalow bauen - Kosten, Vorteile und Nachteile

Wer die ebenerdige Wohnweise bevorzugt und keine Treppen steigen mag, kommt früher oder später auf die Idee einen Bungalow zu bauen. Insbesondere Bauherren im mittleren Alter denken auch an später und wollen perspektivisch das Treppen steigen vermeiden. Zudem kann ein Bungalow mit einer modernen Fassade und großen Fenstern recht stylisch aussehen.
Besonders bei der Grundrissgestaltung sind hier kaum Grenzen gesetzt: Da die Trennwände wegen des wegfallenden Obergeschosses keine, oder nur geringe Lasten aufnehmen müssen, muss bei der Raumaufteilung keine Rücksicht auf die Statik genommen werden. ⇒ Bungalow Grundrisse Der Bungalow ist also gerade für die moderne und offene Wohnraumgestaltung ideal geeignet.
Dass sich die gesamte Wohnfläche ebenerdig befindet hat aber auch einen Nachteil: das Baugrundstück darf nicht zu klein sein. Da  vielerorts nur 20-25% der Grundstücksfläche überbaut werden dürfen, scheidet gerade in den Ballungsgebieten mit immer knapper werdenden Baugrundstücken die Bungalow-Bauweise von vorn herein aus. 
Wer jedoch über genügend Grundstücksfläche verfügt, kann sich über die Vorteile der kurzen Bauzeit und der freien Grundrissplanung freuen. 

Auch hier kommt es natürlich darauf an, wie der Bungalow ausgestattet sein soll. Extras wie beispielsweise Fußbodenheizung, eine verklinkerte Fassade oder gar bodentiefe Fenster treiben die Kosten in die Höhe.
Interessenten sollten auch bedenken, dass die meisten Bungalows mit einem Walmdach ausgestattet sind, diese Dachform ist in der Regel aufwendiger und damit teurer, als die übliche Satteldachform bei der 1,5 geschossigen Bauweise. Und auch das Thema Baugrundstück ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert: da sich die gesamte Wohnfläche bei einem Bungalow auf einer Ebene abspielt, sollte das Grundstück entsprechend groß sein. 
Beispiel: bei einem Bungalow mit 100 qm netto-Wohnfläche, betragen die Außenmaße mindestens 10,00 x 12,00m. Wenn man davon ausgeht, dass in den meisten Städten und Gemeinden ca. 20 % eines Baugrundstückes überbaut werden dürfen, muss die Grundstücksfläche für einen Bungalow mit 100 qm Wohnfläche also mindestens 600 qm betragen. 
Bleibt man bei der 20%-Regel, könnte man auf das selbe Grundstück ein 1,5 geschossiges Einfamilienhaus mit ca. 170 qm Wohnfläche bauen.

Winkelbungalow mit 104 qm Wohnfläche
Bungalow mit 104 qm. Foto: Helma Eigenheimbau AG

Teilleistung                                      Kosten/Euro

Bungalow 100 qm schlüsselfertig    130.000 
(einfache Ausstattung,
ohne Keller)

Bodenplatte 10,0m x 12,0m               15.000

Baunebenkosten, ca. 15 % des          21.700
Anschaffungspreises        

Gesamtkosten                                    196.700

Unser Beispiel ist eines aus dem unterstem Preissegment, die Kosten für Extras wie Keller oder Erker und auch die Baunebenkosten sind nicht enthalten.

Bei dem Wort Bungalow dankt man zunächst meist an einen viereckigen Kasten mit flachem Pappdach. In Wirklichkeit aber gibt es Bungalows mit allen möglichen Dachformen: Das Walmdach und das Flachdach sind die gängigsten Varianten, auch Flachbauten mit Pultdach oder Satteldach sind keine Seltenheit. Hier sind natürlich die Dachneigungen ein entscheidender Faktor, wenn der Bungalow keinen Keller hat und somit zusätzlicher Stauraum oberhalb der Wohnfläche benötigt wird.  

Besonders Bauherren die später eventuell Nachwuchs erwarten, sollten sollten sich für eine etwas steilere Dachneigung entscheiden, so lässt sich bei Bedarf zusätzliche Wohnfläche gewinnen. Für diesen Fall sollte jedoch schon bei der Grundrissplanung der Platzbedarf für eine kleine Treppe berücksichtigt werden. Tipp: ⇒ Grundriss erstellen -Tipps und Fehler 
Tatsächlich sind die besonders "modern" aussehenden Bungalows oft mit einem Flachdach ausgestattet, für welches natürlich moderne Materialien verwendet werden. Kombiniert mit bodentiefen und teilweise verschiebbaren Fenstern kann das sehr stylisch aussehen. Und das ist keine neuzeitliche Stilrichtung, ein klassisches Beispiel aus den 60igern ist beispielsweise der Kanzler-Bungalow in Bonn. Hier handelt es sich um eine Stahlskeletkonstruktion mit Punktstützen, zwischen denen die bodentiefen Glaselemente angeordnet wurden. Eine sehr luxuriöse, im privaten Bereich eher seltener anzutreffende Bauweise.
Immer häufiger werden Bungalows mit Pultdach gebaut.  


 

Bungalow mit Flachdach und 93 qm Wohnfläche
Bungalow mit Flachdach und 1° Dachneigung. Foto: Bien-Zenker GmbH

Das Flachdach ist die klassische Dachform dieser Bauweise aus früheren Zeiten. Von einem Flachdach ist die Rede, wenn der Neigungswinkel nicht mehr als 10° beträgt. Die Konstruktion war sehr simpel beschaffen, sie bestand meist aus einer Kombination aus Holzbalken und geklebter Dachpappe, auf Wärmedämmung wurde vielfach verzichtet. Stehendes Wasser und schlecht verarbeitete Klebverbindungen sorgten für eintretendes Wasser und damit für nachhaltige Schäden im Bauwerk. Das brachte dem Flachdach einen schlechten Ruf ein. Heute sind Flachdächer wieder beliebter, verleihen sie doch gerade dem Bungalow eine moderne und stylische Ausstrahlung. Hinzu kommt, dass hier keine aufwendige Dachkonstruktion  wie beispielsweise beim Walmdach erforderlich ist, das spart Zeit, Material und teure Arbeitsstunden. Außerdem sind Flachdächer wegen ihrer kaum vorhandenen Neigung gut begehbar, das erleichtert enorm eventuelle erforderliche Reinigungs- und Reparaturarbeiten. Und auch starke Regenfälle setzen wegen der flachen Neigung ein gut funktionierendes Entwässerungssystem voraus. Hier reichen schon leichte Verschutzungen wie liegen gebliebenes Laub aus, um die Entwässerung außer Kraft zu setzen. Das verbleibende Wasser sorgt dann oftmals für nachhaltige Schäden wie Schimmelbildung oder eindringende Feuchtigkeit. 
Womit das Thema Abdichtung zu erwähnen ist: Flachdächer werden überwiegend mit Bitumen-Schweißbahnen, Gummi oder PVC-Bahnen abgedichtet. Hier ist eine fachkundige Hand gefragt, haben die Übergänge keine ausreichende Überlappung, oder sind schlampig verschweißt, wird das früher oder später bereits erwähnte Schäden zur folge haben. Und auch was die Wartung angeht sind Flachdächer recht anspruchsvoll. Feuchtes Laub, herab gefallene Äste und auch feuchte Schneemassen sollten zeitnah entfernt werden. Was Pflege und Wartung angeht, sind Flachdächer also relativ anspruchsvoll.


 

Bungalow mit Walmdach und 106 qm Wohnfläche
Bungalow mit Walmdach 22° Dachneigung. Foto: Okal Haus GmbH

Das Walmdach ist bei modernen Bungalows die am häufigsten verbreitete Dachbauweise. Sie ist von der Konstruktion relativ aufwendig, spart auf der anderes Seite aber auch Mauerwerk wie es beim Satteldach oder Pultdach erforderlich ist. Hinzu kommt, dass ein Bungalow mit Walmdach zusätzlichen Stauraum bietet, was in vielen Fällen den sehr kostenintensiven Keller ersetzt. Walmdächer schützen in besonderem Maße die Fassade eines Hauses und verleihen besondere Stabilität: alle vier Dachflächen berühren am oberen Ende den Dachfirst, welcher hier für die Stabilität des gesamten Dachstuhls sorgt.

Typisch für ein Walmdach ist, dass sich die geneigten Dachflächen nicht nur auf den Traufseiten, sondern auch auf den Giebelseiten eines Hauses befinden. Die Walm-Flächen des Daches befinden sich hier auf den eigentlichen Giebelseiten der Fassade. Zu den besonders positiven Eigenschaften eines Walmdaches zählen die besonders effektive Regenwasserableitung, außerdem wird durch die besonders stabile Konstruktion die sichere Lastaufnahme auch größerer Schneemassen gewährleistet. Und wer die Installation einer Solaranlage plant, muss sich deshalb nicht um die passende Ausrichtung des Gebäudes kümmern, alle vier Seiten der Dachfläche ermöglichen die Montage von Solarpaneelen. 
Eher nachteilig wirkt sich der umfangreiche Aufbau eines Walmdaches auf die Kosten aus. Das liegt auf der einerseits an den vielen Arbeitsstunden die für die aufwendige Holzkonstruktion erforderlich sind. Andererseits wird durch die relativ hohe Dachfläche schlicht mehr Material benötigt als beispielsweise bei einem Satteldach.  


 

Bungalow mit Pultdach und 104 qm Wohnfläche
Bungalow mit Pultdach und 16° Dachneigung. Foto: Massa Haus GmbH

Die auffälligste Eigenschaft bei einem Pultdach ist de einseitige Dachneigung. Die höher gelegene Dachkante bildet immer den Dachfirst, die Traufe ist das tiefer liegende Ende des Daches. Neben einfachen Pultdächern werden immer öfter auch versetzte Pultdächer konstruiert, hierbei  handelt es sich um zwei Dachebenen, welche in versetzter Höhe zueinander positioniert sind.
In der Regel spricht man ab elf Grad einseitiger Dachneigung von einem Pultdach. Da die meisten Dachziegel eine Mindestneigung von 22 Grad für ihren erforderlichen Halt benötigen, besteht die Deckung von Pultdächern häufig aus Bitumen oder Kunststoffbahnen, Tonziegelschindeln oder Schieferplatten. Bei modernen Bungalow mit Pultdach kommen häufig auch Alu-Dacheindeckungen zum Einsatz, diese können sogar farblich an die Fassade angepasst werden.
Insbesondere für die Dachbegrünung eignen sich Pultdächer, da sie gut begehbar und somit die Bepflanzung leicht zu pflegen ist. Gleiches gilt auch für die Montage von Photovoltaik-Anlagen, die leichte Zugänglichkeit vereinfacht Pflege und Wartung. 
Der herausragendste Vorteil dieser Bauweise ist sicherlich ihre einfache und kostengünstige Herstellung. Und dadurch dass es bei einem Pultdach nur eine Dachschräge gibt, lässt sich hier zusätzlicher und gut nutzbarer Stauraum gewinnen. 


 

Bungalow mit Satteldach und 123 qm Wohnfläche
Bungalow mit Satteldach und 22° Dachneigung. Foto: Helma Eigenheimbau AG

Das klassische Satteldach die wohl gängigste Dachform und kommt immer öfter auch beim Bungalow-Neubau zum Einsatz. Es handelt sich hier ganz simpel um zwei geneigte, an ihrem oberen Ende mit dem Dachfirst verbundene Dachflächen. Die Konstuktion wird als Pfetten- oder Sparrendach ausgeführt, das ermöglicht die unterschiedlichsten Dachneigungen mit verschiedenen Traufhöhen. 
Auch moderne Bungalow werden immer häufiger mit Satteldach gebaut, da diese Dachform mehr Stauraum bietet und preisgünstiger zu errichten ist als beispielsweise ein Walmdach. Meist werden Bungalow-Satteldächer in einem Neigungswinkel unter 30° verbaut, die flache Konstruktion beitet eine gefällige Optik und ermöglicht problemlos die Montage von Photovoltaikanlagen.

Die flache Dachneigung hat noch einen weiteren Vorteil: Reinigungs- und Reperaturarbeiten sind hier relativ gefahrlos durchführbar. Bei der Dachdeckung können Bauherren auf fast alle Materialien zurück greifen, allerdings benötigen die meisten Deckungsformen einen Neigungswinkel von mindestens 22°. Liegt die Neigung darunter, können spezielle Flachdachziegel verwendet werden, eine preiswerte Variante sind heiß geklepte Bitumen-Schweißbahnen.

  • die gesamte Wohnfläche kann in einer Ebene geplant werden

  • bei der Grundrissplanung muss kaum Rücksicht auf die Statik genommen werden

  • bei eingeschränkter Gesundheit muss im Alter keine Treppe überwunden werden

  • da kein Obergeschoss notwendig ist, können Kosten für massive Deckenkonstruktionen eingespart werden

  • die flache Dachkonstruktion ist i.d.R. statisch weniger anspruchsvoll, als die von Häusern mit ausgebautem Dachgeschoss

  • da die komplette Wohnfläche ebenerdig geplant wird, ist je nach Wohnfläche ein relativ großes Baugrundstück erforderlich

  • Flachdächer sind, was ihre Abdichtung anbelangt, kontruktionell recht aufwendig

  • Da sich diegesamte Wohnfläche auf einer Ebene befindet, ist somit auch die Betonplatte mit ihrer Bewehrung größer und teurer, als bei einem mehrgeschossigem Haus

 

Die Bungalow-Bauweise wird abweichend von der Nutzung als Gartenhaus oder Ferienhaus auch als fester Wohnsitz immer beliebter. Moderne Bauformen- und Materialien ermöglichen individuelle und stylische Varianten der ebenerdigen Bauweise. Dem Thema altersgerechtes Wohnen wird der Bungalow ebenso gerecht,  wie auch dem Bedürfnis nach naturnahmen Wohnen auf einer Ebene. Wer sich für einen Bungalow interessiert, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass er dafür ein relativ großes Baugrundstück benötigt. Dies könnte angesichts der stetig steigenden Grundstückspreise eine teure Angelegenheit werden.