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Baumhaus bauen – kindischer Einfall oder handfeste Idee?

Wer hätte nicht gern als Kind ein Baumhaus gehabt? Wenn es Opa nicht aus ein paar Brettern zimmern konnte, mussten die Kids selbst Hand anlegen. Meist entstand eine windschiefe Bude, die ein erhabenes Gefühl verlieh und allerlei spielerische Abwechslung in bescheidener Höhe bot. Wer heute ein Baumhaus sein Eigen nennen will, hat dafür sicher nicht nur nostalgische Gründe.


Schon vor tausenden von Jahren errichteten Menschen Behausungen im Geäst, um einen sicheren Schlafplatz zu haben oder sogar um dort zu leben, so wie heute noch die Baummenschen im Dschungel Indonesiens, die Korowai.
Eine pure Notwendigkeit, ein Baumhaus zu errichten, besteht selbstredend in keinem Industrieland mehr. Hierzulande treiben uns eher Romantik, Handwerkslust und Kurzweil dazu, im eigenen Garten eine Art Zweitwohnsitz zu errichten.

In einigen Baumhäusern lässt sich auch der Urlaub verbringen
Auch Baumhäuser unterliegen dem Wandel der Zeit. Foto: Fa. baumraum Bremen

Wer interessiert nach Vorbildern sucht, wird Erstaunliches beobachten: Ob beispielsweise in Finnland, Japan oder Hawaii - überall auf der Welt werden Baumhäuser errichtet, ausgenommen natürlich die baumlosen Gegenden. Wer es mag, kann seinen Urlaub rund um den Globus zwischen Baumwipfeln verbringen.
Unter Architekten scheint es ein regelrechtes Wetteifern zu geben, wer die besten Ideen für ein – im wahrsten Sinne des Wortes – abgehobenes Domizil hoch droben ausheckt.

Die meisten Häuser werden allerdings kommerziell genutzt. In Frankreich finden Touristen landesweit ein beachtliches Angebot an „Chateaux dans les arbres“ [„Schloß in den Bäumen“] vor und selbst in Deutschland existieren mittlerweile etliche solcher Herbergen unter dem grünen Blätterdach. Ein Baumhaushotel ist im Sinne der Bauordnung eine bauliche Anlage, die genehmigungspflichtig ist - wie jedes herkömmliche Gästehaus auch.

Die Betreiber nutzen  für ihre Idee insbesondere den schwärmerischen Wunsch vieler Großstädter, ihre Ferien am Busen der Natur zu verbringen. Allerdings muss dabei niemand auf Komfort verzichten, denn die meisten Häuser lassen nichts zu wünschen übrig. Deshalb trägt eine unter Kennern bekannte Publikation über Baumhäuser nicht zufällig den beredten Titel  „Green, Hidden and  Above“ [Grün, versteckt und erhaben]. Mit anderen Worten: Baumhäuser sind heutzutage ein Luxusgut.

Tipp ⇒ Moderne Baumhäuser

Eine Ausnahme in unserer Gesellschaft stellen nur die Bauten dar, die zu Protestzwecken errichtet wurden, wie beispielsweise 2018 im Hambacher Forst. Hier griffen die Erbauer auf die ursprüngliche Funktion von Baumhäusern zurück: Schutz und Verteidigung – einst gegen wilde Tiere, heute gegen anrückende Polizei.

Wer dagegen privat ein Häuschen im Astwerk errichten möchte, wird wohl in erster Linie einen Traum verwirklichen wollen, vielleicht sogar in Erinnerung an einen beliebten Spiel-platz in der Kindheit. Andere wiederum möchten ein originelles Gartenhaus errichten und die Nächsten wollen gar darin wohnen.

Einfache Konstruktion und geringe Kosten: zum Toben für Kinder allemal ausreichend
Früher war nicht alles besser: die klassische Bretterbuden-Variante. Foto: pixabay.com

Wie dem auch sei, ein Baumhaus lässt sich nicht überall errichten, weil es einiger Voraussetzungen bedarf.
Zunächst muss natürlich wenigstens ein geeigneter Baum vorhanden sein. Eine Faust-regel besagt, dass sein Stamm mindestens 20-25 cm im Durchmesser betragen soll.
Ein Veteran, dessen Astwerk langsam brüchig wird, der möglicherweise von Pilzen befallen ist oder morsche Stellen aufweist, ist nicht geeignet.

Ebenso unpassend sind junge Bäume, die noch ein kräftiges Wachstum vor sich haben. Kurzum: ein Baum im besten Alter ist die erste Wahl. Ein Baumhaus ist schließlich eine erhebliche Investition, wenn es als ansehnliche und dauerhafte Bleibe ausgelegt ist.

Wer auf seinem Grundstück eine stattliche Buche, Eiche oder Esche zu verzeichnen hat, darf sich glücklich schätzen. Auch die Besitzer großer Weiden, Kastanien oder Walnuss-bäume sind gut dran. Wer nur schmale Nadelbäume sein Eigen nennt, kann immerhin noch mit einem Baumhaus auf Stelzen liebäugeln.

Nicht zu unterschätzen ist das Bau- und Nachbarschaftsrecht. Es liegt nahe, das Baum-Domizil nicht gerade so aufzustellen, dass sich Nachbarn gestört fühlen, beispielsweise dann, wenn man ihnen genau in die Fenster schauen kann. In jedem Falle kann es sich lohnen, vor Beginn mit den Nachbarn ein Wörtchen zu wechseln, insbesondere dann, wenn die Grundstücke nicht gerade üppig ausfallen.
Noch wichtiger ist es, beim örtlichen Bauamt vorzusprechen und dort prüfen zu lassen, ob ein Baumhaus ohne Baugenehmigung entstehen darf oder es womöglich regionale Umweltschutzauflagen gibt.

Ausgewachsene Bäume sind zwar widerstandsfähige Gewächse, dennoch treten bei Windböen oder starken Stürmen erhebliche Scherkräfte auf; ein Bauwerk im Geäst wird sie verstärken. Deshalb muss ein Baumhaus immer so konstruiert sein, dass sein Träger weder im Wachstum noch in der Windbewegung eingeschränkt wird. Ein Standort an der windigsten Stelle, womöglich noch mit dem einzigen Baum weit und breit, empfiehlt sich also nicht. Ebenso wenig ratsam ist es, das Haus in den Wipfel setzen zu wollen, weil sich bekanntlich nach oben hin das Geäst verjüngt. Ein Baumhaus gehört also schon aus statischen Gründen in die Mitte eines Baumes – es sei denn, es wird von Stelzen zusätzlich abgestützt.

Eingefleischte Liebhaber von Baumhäusern meinen, dass sie nur vom Stamm allein getragen werden dürften. Folglich verbiete sich jegliches Stützwerk, und ein Haus zwischen Bäumen - und nicht im Geäst - sei im strengen Sinne eben kein BAUM-Haus.

Diese Ansicht hat sich nicht durchgesetzt, denn auch separat aufgestelzte Bauwerke direkt neben Bäumen gelten als Baumhäuser.

In der internationalen Praxis haben sich drei Methoden herausgebildet, ein „Tree house“ zu errichten:

  • Es wird im Stamm und an starken Ästen verankert. Dazu dreht man so genannte Garnier-Schrauben in den Stamm und/oder in starke Äste. Das sind etwa 30-40 mm dicke Gewindebolzen, die mehrere Tonnen Gewicht tragen können. Das sieht zunächst rücksichtslos aus, ist für den Baum jedoch erfahrungsgemäß verträglicher, als eine Menge kleiner Schrauben und Nägel. Zudem wachsen die Bolzen mit der Zeit ein, was die Haltbarkeit der Konstruktion erhöht.
Fast schon ein kleiner Bungalow: ein Baumhaus in der Nähe von Rom.
Hier dient ein alter Kastanienbaum als Stütze. Foto: Fa. baumraum Bremen
  • Das Baumhaus steht auf Stützen. Dabei hängt es vom Stil ab, ob Stahl- oder Holzträger verwendet werden. Es versteht sich, dass Rohre, Stahlprofile oder Holzbalken keine direkte Berührung mit dem Erdboden haben dürfen. Sie werden also nicht einfach hingestellt, sondern ruhen auf einem Punktfundament, meist aus Beton. Schließlich dürfen die Träger weder faulen, noch in den Boden sinken oder gar die Wurzeln des Baumes schädigen.
  • Es wird aufgehängt. Dazu werden entweder verstellbare Stahlmanschetten so hoch wie statisch möglich um den Stamm gelegt. Sie tragen die gesamte Konstruktion, die an Ketten oder Stahlseilen hängt. Alternativ  werden kräftige Seile um  mehrere Astgabeln geschlungen. Zum Schutz des Baumes werden vorher Manschetten untergelegt. Das alles wird meist dann gemacht, wenn Stelzen unpraktisch erscheinen. Der Nachteil dieser Ausführung: das Baumhaus schwingt bei starkem Wind, es baumelt sozusagen im Luftzug.

Bei der Materialwahl liegt es nahe,  Holz zu verwenden, denn schließlich ist ein Baum der Inbegriff von Holz. Es ist zudem der gebräuchlichste Naturstoff im Bauwesen.Zwar gelten beispielsweise Douglasie und Lärche oder gar Teakholz als sehr witterungs-beständig, doch ihr Preis ist entsprechend hoch. Heimische Hölzer sind im ökologischen Sinn vorteilhafter, vorausgesetzt, sie werden gut imprägniert. Sie sind zudem deutlich preiswerter, benötigen dafür allerdings mehr Pflege.

Die richtige Holzschutz-Lasur verlängert die Lebensdauer
Einheimische Hölzer sind pflegeintensiv. Foto: pixabay.com

Im Zeitalter der Moderne werden längst auch Edelstahl, Aluminium, Kunststoff und Glas beim Bau von Baumhäusern nicht ausgeschlossen.

Steht die Grundkonstruktion des Baumhauses erst einmal, ist wiederum die Fantasie der Bauleute gefragt: Wollen wir außerdem eine Aussichtsplattform einrichten? Bauen wir eine Hängebrücke? Erklimmen wir das Häuschen über eine Strickleiter oder eine Wendel-treppe? Brauchen wir ein WC da oben? Soll gar noch ein Wandelpfad durch die Wipfel führen?

Ein Baumhaus ist eben auch eine Herausforderung an die Kreativität ...

 


 

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