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Immer weniger Berufsanfänger wollen auf dem Bau arbeiten

Welche Berufe stehen bei Schulabgängern wohl auf der Favoritenliste: Mechatroniker, Rechtsanwalt, Informatiker oder Mediziner?

Die Handwerks berufe zählen sicher nicht dazu. Das dürfte verschiedene Gründe haben: Aufstiegschancen sind kaum vorhanden, mit 50 Jahren sind die Knochen oft kaputt und die Bezahlung ist trotz schwerer, den Witterungen ausgesetzter Arbeit nicht gerade üppig. Und von der eher geringen gesellschaftlichen Anerkennung unter der jüngeren Generation mal ganz abgesehen.Ob Dachdecker, Fliesenleger oder Maurer, bei den meisten Handwerksfirmen ist die Auftragslage längst nicht mehr das Problem, ihnen fehlt der Nachwuchs. Was auch Folgen für die Kundschaft hat, die Terminfristen werden immer länger und die Preistendenz kennt auch nur eine Richtung: die über Monate im voraus nach oben. Denn von Handwerksbetrieben werden kaum noch Aufträge angenommen da sie fest verplant sind. Das sorgt bei einigen Firmen für ein lockeres Händchen bei der Angebotserstellung: da man derzeit nicht auf weitere Aufträge angewiesen ist, kann bei der Kalkulation der Einzelpreise ruhig etwas drauf gepackt werden.

Viele Ausbildungsplätze blieben bereits 2016/2017 unbesetzt

Das Bundesinstitut für Berufsausbildung hat inzwischen die Zahlen für das Ausbildungsjahr 2016/2017 veröffentlicht. Demnach konnten nur 15.297 von den ca. 135.000 angebotenen Stellen mit Auszubildenden besetzt werden. Die harte Arbeit und ein schlechtes Image wirken auf viele junge Leute abschreckend, es ist eben nicht sonderlich „hip“ auf dem Bau zu arbeiten.

Dazu kommt, dass nach Auskunft der Deutschen Bauwirtschaft knapp ein Drittel der zur Zeit beschäftigten Fachkräfte in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreicht haben.

Auch die Zuwanderung wird die Probleme nicht lösen können

Über länger Zeit hielt sich die Hoffnung, dass sich ein Teil der zugewanderten jungen Leute aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan zu Baufacharbeitern ausbilden lassen würden. Die Hoffnung dürfte sich unterdessen in Luft aufgelöst haben: wie ein precher der Handwerkskammer München verlauten ließ, haben 70% der Flüchtlinge die ihre Ausbildung im September 2013 begonnen hatten, selbige inzwischen wieder abgebrochen.

Und auch die Betreuung während der Ausbildung müsse wesentlich intensiver ausfallen, als dies bei deutschen Azubis der Fall wäre. Und besonders zwei Gründe für die hohe Ausfallrate sieht hier die Handwerkskammer : das eine Problem sind die mangelnden deutschen Sprachkenntnisse, das andere ist die verhältnismäßig geringere Entlohnung während der Ausbildungszeit.

Verdienstmöglichkeiten im Verhältnis zur schweren Arbeit nicht besonders üppig

Die Industriegewerkschaft Bau (IG Bau) hat sich zwar mit den Arbeitgeberverbänden der Baubranche zum 01.01.2018 auf die Anhebung des Bau-Mindestlohnes geeinigt. Für Hilfsarbeiter soll dieser bis Anfang 2019 in zwei Schritten auf 12, 20 Euro steigen, für Baufachkräfte steigt der Mindestlohn auf 15,20 Euro, der Tarifvertrag läuft Ende 2019 aus.

Vergleicht man die Stundenlöhne mit anderen Branchen, ist leicht nachvollziehbar dass junge Leute bei der Berufswahl immer weniger den Job als Bauarbeiter in Erwägung ziehen.

Niemand hindert natürlich den Inhaber einer Baufirma daran, deutlich über Tarif zu zahlen, um gute Fachkräfte zu halten und neue hinzu zu gewinnen. Angesichts der steigenden Baupreise, wäre dies möglicher Weise eine naheliegende und vertretbare Option für so manchen Bauunternehmer.